Wir haben uns durch die anonymisierten Daten aller ClimbLife-Hallen gegraben – keine Ranglisten, keine Angeber-Zahlen, nur die Muster, die euch nützen, wenn ihr Routen schraubt oder eine Halle führt. Diese Ausgabe dreht sich komplett ums Seilklettern; das Bouldern hat einen eigenen Artikel.

Eine ehrliche Anmerkung vorweg: Das sind Daten von Kletterern, die ihre Begehungen in einer App loggen – also vom engagiertesten Teil eures Publikums. Behaltet das im Hinterkopf; wo es zählt, weisen wir darauf hin.

Die Woche hat einen Rhythmus

Trägt man die geloggten Seil-Begehungen nach Wochentag und Uhrzeit auf, wird der Puls der Seilwände sichtbar:

Was das für den Betrieb heißt:

  • Die Abende unter der Woche erreichen ihren Peak um 18–20 Uhr – und Seil-Abende ziehen sich länger als Boulder-Abende. Eine Seil-Session mit Partner ist ein größeres Commitment, und man nimmt sich Zeit dafür.
  • Sonntag ist ein Seiltag. Er füllt sich ab dem späten Vormittag und bleibt den ganzen Nachmittag voll – die klassische lange Wochenend-Session.
  • Freitag- und Samstagabend sind die totesten Slots der Woche. Wer einen Termin für ein privates Event oder Wartung sucht – hier ist er.
  • Dienstag ist insgesamt der stärkste Tag, genau wie beim Bouldern. Die Motivation der neuen Woche ist noch frisch.

Der Morgen gehört dem Autobelay

Autobelays machen rund ein Viertel aller in ClimbLife geloggten Seil-Begehungen aus. Dieser Anteil ist über den Tag aber alles andere als konstant:

Um 6 Uhr morgens laufen rund 60 % des Seilkletterns über Autobelay. Bis zur Abendspitze fällt der Anteil auf etwa 20 %. Der Grund liegt auf der Hand, sobald man ihn sieht: Um 6 Uhr früh hat niemand einen Sicherungspartner. Der Autobelay ist der beste Freund des Solo-Kletterers – vor der Arbeit, in der Mittagspause, wann immer der Rest der Halle noch schläft. Am Abend gibt es Partner im Überfluss, und das Seil übernimmt.

Die Erkenntnis: Autobelays sind nicht nur für Anfänger da. Sie erschließen die Stunden, in denen eure Seilwände sonst leer stünden – und sie machen einem ganzen Segment eurer Mitglieder den Morgenbesuch überhaupt erst möglich.

Eine Route lebt langsam – aber ihr erster Monat entscheidet viel

Eine typische Vorstiegsroute hängt in ClimbLife-Hallen deutlich über ein Jahr – Boulder werden dagegen nach fünf, sechs Wochen abgeschraubt. Aber schaut, wann die Begehungen einer Route wirklich passieren:

Auch bei Routen regiert das Neue: Ein Drittel aller Begehungen kommt im ersten Monat, mehr als die Hälfte innerhalb von zwei Monaten – der erste Monat einer Route sieht aus wie die erste Woche eines Boulders, nur gestreckt. Der Unterschied ist der Auslauf: Eine Route sammelt ein Jahr und länger Begehungen.

Für die Routenplanung heißt das zweierlei zugleich: Ihr braucht an Seilwänden keinen Boulder-Takt beim Umschrauben – aber ein stetiger Nachschub frischer Routen hält den Neuheiten-Motor am Laufen, viel besser als eine große jährliche Umschraubaktion. Verteilt sie Wand für Wand, und es gibt immer etwas Neues zu probieren.

Wo das Projektieren beginnt

Seilkletterer loggen, ob eine Route im ersten Versuch fiel, nach dem Erarbeiten – oder noch gar nicht. Stapelt man das nach Grad, sieht man den exakten Punkt, an dem Klettern aufhört, Kilometersammeln zu sein, und anfängt, Projektieren zu werden:

Auf Routen bis 5c ist mehr als die Hälfte aller geloggten Begehungen im ersten Versuch, und nur etwa jede achte ist ein offenes Projekt. Ab 6c übernehmen die Projekte – bei 7b+ und schwerer sind fast zwei Drittel der geloggten Versuche Projekt-Burns, keine Durchstiege.

Das passt sauber zu den Lebensdauer-Daten oben: Leichte Routen sind Kilometer und dürfen schneller rotieren; schwere Routen sind Beziehungen – eine 7b, die ein Jahr hängt, ist nicht abgestanden, sie ist jemandes Saisonziel. Schraubt sie zwei Wochen nach Projektstart ab, und ihr habt den Grund entfernt, aus dem derjenige immer wiederkam.

Über Routen-Grade wird (kaum) gestritten

Beim Loggen können Kletterer einen Grad vorschlagen. Bei Boulders bricht die Zustimmung zum offiziellen Grad mit steigender Schwierigkeit ein – bei V8–V9 stimmen 40 % der Vorschläge für „weicher“. Seilrouten erzählen eine viel ruhigere Geschichte:

Die Zustimmung liegt über die ganze Skala bei rund 60 %, und der Widerspruch verteilt sich auf beide Seiten, statt sich bei „weicher“ zu stapeln. Sportkletter-Grade haben ein Jahrhundert Konsens hinter sich, und das merkt man – Routenschrauber erben einen deutlich stabileren Maßstab als Boulderschrauber.

Am stärksten widersprechen Kletterer bei 6c–7a+, wo „fühlt sich weicher an“ mit 34 % seinen Gipfel erreicht – genau dort, wo das Projektieren beginnt und Egos auf Saisonziele treffen. Wenn ihr an euren Wänden Grade nachprüfen wollt, fangt hier an.

Seil und Boulder sind verschiedene Sportarten – selbst in einer Halle

Hallen mit beiden Disziplinen behandeln ihre Kletterer oft als eine einzige Crowd. Die Logs sagen etwas anderes:

  • In Hallen mit Seilwänden und Boulders loggt nur rund ein Drittel der Kletterer beide Disziplinen. Etwa 44 % bleiben beim Seil, 21 % beim Bouldern.
  • Selbst wer beides macht, mischt es fast nie in einem Besuch – nur 11 % dieser Sessions enthalten Seil und Boulder. Es ist Seiltag oder Bouldertag, selten beides.
  • Der Rhythmus ist aber derselbe: im Median 6 Tage zwischen Seil-Sessions, 7 zwischen Boulder-Sessions – so oder so ein Wochenritual. Eine Median-Seil-Session sind 5 Routen, eine Median-Boulder-Session 7 Tops.

Für Betreiber heißt das zweierlei. In den eigenen Wänden steckt ein unerschlossenes Publikum – zwei Drittel eurer Seilkletterer haben das Bouldern nie zur Gewohnheit gemacht, und umgekehrt. Und weil die Disziplinen an getrennten Tagen leben, kannibalisiert ihre gegenseitige Bewerbung keine Besuche; sie addiert sie.

Woher diese Daten kommen

Diese Muster stammen aus anonymisierten, aggregierten Kletter-Logs der Hallen, die auf ClimbLife laufen. Jede Partnerhalle sieht dieselben Auswertungen für ihre eigenen Wände – welche Grade über- oder unterversorgt sind, wann sich die Halle wirklich füllt, wie lange die Routen tatsächlich hängen und was die Kletterer vom Schrauben halten.

Ihr habt auch Boulder? Lest das Gegenstück: 5 Daten-Insights für Boulderhallen.

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